Das Leben als die Wartende…
Der Mensch kommt auf die Welt um zu leben, meint man, dennoch leben wir weniger, als das wir warten. Als Kind wartet man darauf, dass man endlich in die Vorschule kommt, man wartet darauf,dass man die größere Schuhgröße trägt, als der Sitznachbar, denn 36 ist doch schon fast die Größe die Mama trägt. Man wartet darauf, dass die nervigen Milchzähne ausfallen, wenn es nicht schnell genug geht wird nachgeholfen. Es wird gewartet am Tisch bis alle fertig mit essen sind, denn das gehört sich so wenn man erwachsen sein möchte. Kaum kann ein Mensch es erwarten volljährig zu werden, sein Abschluss in der Tasche zu haben, sich sein eigenes Leben aufzubauen, Kinder zu bekommen, diese zu erziehen um dann das Leben im Alter genießen zu können. Das Letzte auf das der Mensch wartet ist der Tod, die Fragen die sich der Wartende stellt, beziehen sich häufig auf das Warum, Weshalb, Wann und Wie. Aber warum warten wir ständig und leben nicht den Moment? Wir verschieben Dinge, die unser Herz begehrt auf die Zukunft, um Dinge zu erledigen, die von uns erwartet werden.

„Ich komme später“
„Es wird doch halb acht“
„Können wir den Termin verschieben?“

Ich warte seit 20 Jahren. Worauf? Ich würde es euch sagen, doch ich selbst weiß nicht worauf. Das Ziel des Lebens, für mich noch ein langer Weg. Erinnert ihr euch an die kindlichen Vorstellungen, dass man mit 20 Jahren total alt ist, genau weiß was man tut, seinen Weg geht und sicherlich nicht mehr so viele Fehler macht, wie im Diktat, welches wieder nicht ganz so gut war? Eigentlich stützt man sich viel zu sehr auf die Erwartung von Fremden, anstatt selber Erwartungen an sich zu stellen.

Was die Anderen von mir erwartet haben und werden:
Das kleine Mädchen, welches immer die Beine am Tisch oben hat, soll in der Schule nicht immer ihre Sitznachbarn ablenken, auch wenn Kommunikation eine Stärke ist, sollte diese nicht immer an den Tag gelegt werden. Als Schülerin muss man sich immer zu 100% konzentrieren, denn nach der Grundschule soll es auf das Gymnasium gehen. „Nicht denken, nachdenken ist die Divise“, der Kommentar zu meiner Trend-Empfehlung zum Gymnasium. Die englische Sprache wird am Besten fließend gesprochen, Grammatik und Tempus natürlich auch, in Mathe sollte es doch ganz klar sein, dass A B C … nicht Buchstaben sind, sondern Variablen. In der Oberstufe wird der naturwissenschaftliche Schwerpunkt für das Abitur gewählt, in dieser Richtung sind nach dem Abitur die meisten Stellenangeboten verfügbar. Mit Sonderauszeichnungen wurde das Abitur mit einer Note zwischen 1,0 und 1,4 bestanden, knapp aber reicht noch. Da sich schon in der 11. Klasse für ein Duales Studium gekümmert wurde, geht es direkt zum 01.10.2016 los mit dem Studium in einer marktführenden Firma, an einer renommierten Universität wird studiert. Natürlich wird in der Regelstudienzeit das Studium absolviert, der Master wird anschließend gemacht. Da zeitlich auch richtiges Geld verdient werden muss, lässt man die Doktorarbeit beiseite und konzentriert sich auf die Karriere firmenintern. Mit 36 darf das erste Kind kommen, ihr Mann, welcher aus England kommt erzieht mit ihr die Kinder ganz gewiss bilingual, dennoch muss vorher geheiratet werden. Sobald die Tagesmutter in der riesigen Wohnung, in einem angesagtem Viertel ist, können die Übereltern zum Arbeitsplatz fahren, natürlich mit dem Fahrrad, nicht das der ökologische Fußabdruck zu groß wird, denn die vierteljährlichen Reisen nach Amerika, auf die Malediven etc. müssen ausgeglichen werden. Mit 60 gehen die steinreichen Inhaber eigener Firmen in Rente, ihre Kinder übernehmen die Firmen und leiten sie mindestens genauso gut wie ihre Eltern es tun. Das damals kleine Mädchen, wartet nach dem Tod ihres Mannes auf ihren eigenen Tod, doch der Sarg aus Eiche, mit Verzierungen und extra weichem Polster wartet bereits auf sie. Die Beerdigung findet auf einem Sonntag um 11:00 Uhr statt,so verpasst niemand die Arbeit. Beim eröffnen des Testaments erfüllt sich das Herz der Kinder mit Freunde, die Nullen nach der 1 können sie nicht an einer Hand abzählen.

Die Realität, mit meinen Erwartungen und Wünschen:
In der Grundschule war ich nicht schlecht, ich war ein zweier Kind, nicht besonders gut, schlecht aber auch nicht. Bei Besonderen Bemerkungen stand unter meinem Zeugnis jedes Jahr aufs neue „Sie ist ein sehr kommunikatives Kind, welches doch dazu neigt sich und andere abzulenken. Sie stört den Unterricht häufig“. Nach dem ich jeden Sommer meiner Mutter versprochen hatte, dieses Jahr wirklich leiser zu sein, hat es natürlich nur bis zur ersten Stunde gehalten, denn in den Sommerferien haben immer alle viel erlebt, wie soll man da auch still sein? Nach der Grundschule bin ich auf ein Gymnasium gegangen, welches sich in der nächst größeres Stadt befindet. Mir viel immer wieder auf, dass meine Lücken ziemlich groß sind und die Lehrer in einer mir unbekannten Sprache häufig redeten. In der 7. Klasse hatte ich meinen ersten „Freund“, vielleicht früh aber wir mochten uns, mal ein Kuss war ja schon richtig cool. So schnell wie ich in der „Beziehung“ war, war ich auch wieder aus ihr raus. In der 8. Klasse hatte ich mehr fünfen, als ich eigentlich Fächer hatte, lag sicherlich daran, dass ich nicht wirklich häufig anwesend war. Das Resultat war eine Ehrenrunde, ich habe meine neue Klasse gehasst, viel geweint aber dennoch geschafft. In der Oberstufe arbeitete ich auf mein Abitur mit gesellschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt hin. Religion, Geschichte, Deutsch als Leistungskurse, es hat mir Spaß gemacht. 2017 machte ich dann ein Abitur mit 2,5. Verwundert war ich selbst sehr unzufrieden mit mir, ich konnte doch alles, habe hart gearbeitet aber es hat nicht geklappt. Anstatt eines FSJs, wollte ich gleich studieren, eine Ausbildung machen oder sonst wie auf meine Karriere hinarbeiten. 20 Bewerbungen später, 17 Absagen verdaut und 12 ungenutzte Monate vergangen, stehe ich jetzt hier. Enttäuscht von mir selbst, nicht zufrieden und keine Lösung in Sicht.

Wäre ich also mit dem Weg, den andere sich für mich wünschen besser gefahren? Wohin führt mich mein Weg? Wie kann ich was ändern? Fragen über Fragen, doch keine Antworten.

Eine Antwort auf „❀“

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